Von Hans, 13.10.2006, 15:12 Uhr

Es gibt doch immer wieder neue Sportarten. Und gerade die Wendländischen CASTOR-Gegner sind da sehr erfindungsreich. “rolleBall” heißt die letzte Kreation. Und schon gleich findet ein Turnier in dieser – noch nicht olympischen – Disziplin statt. Am Sonntag, 22. Oktober 2006 ab 13 Uhr wird im sportlichen Wettstreit um den “Göhrde-Pokal” gekämpft.

Austragungsort ist der Bahnübergang “Grünhagen”,* mitten im Wald etwa auf der halben Strecke zwischen Leitstade und Harlingen gelegen (Anfahrt von Tollendorf aus mit dem Auto möglich).
“Der sportliche Wettstreit um den “Göhrde-Pokal”, so heißt es erklärend in einem Flugblatt zur Sportveranstaltung, der alljährlich zum CASTOR-Transport ausgetragen werde, habe etwas besonderes. Es werden “immer wieder neue sportliche Disziplinen an der CASTOR-Strecke erprobt und geübt und jeder und jede kann daran teilnehmen”. “Widerständische Fähigkeiten und Fertigkeiten” würden erfunden, und “zur Höchstklasse entwickelt”.

In diesem Jahr ginge es um das “Rollen”. Viele Dinge ließen sich dadurch von “A nach B bewegen”, ohne den Rücken zu belasten – wenn sich mehrere Menschen zusammentun, um das möglichst schnell und reibungslos zu tun. “Wer würde schon einen Baumstamm tragen, wenn er sich auch rollen läßt?”

So ein Vorgang solle im Wettstreit ausgetestet und als sportliche Disziplin weiterentwickelt werden. “Wie viele Menschen braucht es, um unterschiedliche Dinge rollend vorwärts zu bewegen? Welche Haltung und welche Bewegungsabläufe sind am effektivsten? Wie können Hindernisse bewältigt oder umgangen werden?” Das soll “durch gemeinsamens Ausprobieren” , wobei viel Spaß dabei sein soll, beantwortet werden.

Der “Göhrde-Pokal” gehe dann an die Gruppe, die in verschiedensten Disziplinen am schnellsten und erfolgreichsten zum Ziel komme.

Nicht nur Teilnehmer, auch Menschen “die die SpielerInnen anspornen und für Kuchen und Getränke sorgen”, seien am Turniertag erwünscht; mitgebracht werden soll alles, was sich rollen läßt, und “Gute Laune”.

Die Veranstaltung sei aber nicht offen für alle Teilnehmer: “Nicht dabei haben wollen wir die grüne oder blaue Armada, die nur dazu abgestellt ist, die tödliche Fracht gegen unseren Willen durchzuprügeln”, heißt es in dem Turnieraufruf. “Sie ist hier unerwünscht, auch wenn sie noch so freundliche Worte spricht. Sie soll spüren: wir sind noch da. Uns kriegt man nicht so leicht weg. Mit uns ist zu rechnen. Manchmal auch unverhofft”.

“In diesem Sinne laden wir alle ein.
Ob Jung ob alt.
Ob sportlich oder nicht so,
aus der näheren und weitern Umgebung.
Zu einem kraftvollen Widerstands-Auftakt”

* Bei “google earth” mit folgenden Daten zu finden:
53°09’39.70″ N, 10°56’52.32″ E

Hier ein kleines Bild von “google Earth”, das wir gemäß der Nutzungsbedingungen hier veröffentlichen (“1. EINSATZ DER SOFTWARE: Die Software wird Ihnen ausschließlich für den persönlichen, nicht kommerziellen Gebrauch zur Verfügung gestellt.Sie dürfen die Software oder die geografischen Daten, die durch die Software dargestellt werden können, bzw. jedwede Ausdrucke oder Bildschirmausgaben, die mit der Software erzeugt wurden, nicht in kommerziellen bzw. Geschäftsumgebungen oder zu kommerziellen oder geschäftlichen Zwecken für sich selbst oder für Dritte verwenden. “)

Bahnübergang Grünhagen an der CASTOR-Transportstrecke Grünhagen, Austragungsort des rolleBall-Turnier am 22. 10. 2006

Von Hans, 11.10.2006, 23:34 Uhr

Wenn der CASTOR kommt, werden die Menschen- und Grundrechte eingemottet. Aber nicht nur, wenn der CASTOR kommt! Die Vorbereitungen unseres “demokratischen” Staates, mit Gesetzesänderungen Grundrechte weiter auszuhebeln, erfolgt mit kaum glaublicher Frechheit und Selbstsicherheit. Das Bundesverfassungsgericht wird wieder viel Arbeit erhalten – nachträglich. Denn Gesetzesvorlagen der Großen Koalition und der Länder-Polizeiminister scheren sich erstmal nicht um den Erhalt, sondern um die Einschränkung von Grundrechten.

Hier ein paar Zeitungsmeldungen vom 11. Oktober 2006:
(dpa-Meldungen aus der “Elbe-Jeetzel-Zeitung”)

Der Tag X naht – Polizei wappnet sich für den Castortransport

Die Polizei erwartet in den kommenden Wochen wachsenden Protest von Atomkraftgegnern. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg sagte, gehen die Beamten im Vorfeld des im November geplanten Castortransports ins Zwischenlager Gorleben von überwiegend friedlichen Aktionen aus. Allerdings müsse auch mit Sabotageakten Einzelner gerechnet werden.

Ob militante Atomkraftgegner für die Zerstörung eines Funkmastes der Polizei im Landkreis Küchow-Dannenberg verantwortlich sind, ist unklar. Unbekannte hatten den 25 Meter hohen Mast nahe einer Bahnstrecke, über die auch Castortransporte rollen, zerstört.

Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben weiter in alle Richtungen. Ein Bekennerschreiben liege nicht vor. Die Täter hatten an dem Mast bei Leitstade die Schrauben gelöst und ihn so zu Fall gebracht.

Neuartige Überwachung

Das Bundeskriminalamt hat am Mainzer Hauptbahnhof eine neuartiges Video-Überwachungssystem vorgestellt. Vier Monate soll mit Hilfe biometrischer Daten getestet werden, ob bestimmte Menschen in großen Gruppen per Kamera zuverlässig am Gesicht wiedererkannt werden können. Sieben Kameras versuchen in dem Bahnhof mehr als 100 Menschen per biometrischer Gesichtserkennung aufzuspüren. In Zukunft könnten so mutmaßliche Gewalttäter ausfindig gemacht werden.

Durchsuchung wird erschwert

Das Bundesverfassungsgericht hat der Anordnung von Haussuchungen deutliche Grenzen gesetzt. Nach drei Beschlüssen darf eine Razzia in der Regel nur von einem Ermittlungsrichter angeordnet werden. Die Justiz muß deshalb tagsüber einen Notdienst einrichten, der für die ermittelnden Staatsanwälte erreichbar ist.

Die Polizei erhält mehr Geld – Niedersachsens Landesregierung verteilt mehr Steuereinnahmen

Angesichts kräftig sprudelnder Steuereinnahmen bekommt die Niedersächsische Polizei noch für das laufende Jahr zusätzlich 17 Millionen Euro. Die Regierungsfraktionen von CDU und FDP verabschiedeten in Hannover einen Nachtragshaushalt für 2006, der diese Finanzmittel ausweist. Die Polizei soll das Geld unter anderem für die verstärkten Anstrengungen im Anti-Terror-Kampf und für Großeinsätze wie die Begleitung der Castor-Transporte ins Wendland bekommen. (…)

Von Hans, 10.10.2006, 16:35 Uhr

Große Stellwände stehen auf dem Lüchower Marktplatz “Bekanntmachung” und dann viele Zeilen Text sind zu lesen. Die “Republik Freies Wendland”, vertreten durcdh den “Ältestenrat” erläßt im Auftrag für “Das Volk” eine “Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür”.

In dem Beschluß wird der “sofortige Stopp der Atommüll-Transporte ins Wendland” verfügt, verbunden mit dem “Verfüllen bzw. Unbrauchbarmachen des als Endlager vorgesehenen Salzstockes Gorleben”, sowie die “Beschränkung des Versammlungsrechts für Polizeieinheiten im Landkreis Lüchow-Dannenberg”.

Mehr als 100 Menschen unterschiedlichen Alters haben an diesem Sonnabend Vormittag die Allgemeinverfügung unterzeichnet und als Spende für die Finanzierung einer vierseitigen Anzeige in der örtlichen Elbe-Jeetzel-Zeitung mindestens fünf Euro bezahlt.

“Wir drehen den Spieß um”: Jedes Jahr wieder veröffentlich die Polizei ihre “Allgemeinverfügung” und verbietet damit Demonstrationen entlang der CASTOR-Strecke in einem breiten Korridor, über 72 km Länge und für mehrere Tage. Jetzt haben die Menschen aus dem Wendland ihre eigene Verfügung erlassen. Damit wollen sie die Grundrechtsverletzungen durch die Polizei, die Lügen und Machenschaften der Atomkraftbefürworter rund um das Endlager Gorleben, dessen Salzstock Grundwasserkontakt hat, und damit niemals den “Sicherheits”-Anspruch von 100 Millionen Jahren bieten kann, sowie die Hintergründe und Schiebereien bei den CASTOR-Transporten erneut öffentlich machen.

Bis zum 15. Oktober können noch weitere Menschen, die der “Republik Freies Wendland nahestehen, unterzeichnen. Und das kann sofort – auch elektronisch – geschehen: Einfach die entsprechende Web-Seite auf www.castor.de aufrufen, den Vordruck ausfüllen, und über das “Spendenportal” www.spendenportal.de jeweils 5 Euro bezahlen.

Macht mit!!!!

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Unterschriftensammlung auf dem Marktplatz der Wendländischen Stadt Lüchow am 7. Oktober 2006

Von Hans, 10.10.2006, 15:31 Uhr

Eine spannende Frage hat das “Hamburger Abendblatt” heute aufgeworfen. Gibt’s beim nächsten CASTOR-Transport “Randale”? Oder wird mal wieder ein “Ritual” zelebriert? Auf “Das zehnte Jahr im CASTOR-Kampf”, den “runden Jahrestag” scheinen sich der HA-Journalist schon zu freuen. Der “Startschuß” sein gefallen, als “bislang unbekannte Täter elf von zwölf Schrauben bei Leitstade an einem 23 Meter hohen Funkmast lösten” und damit “sechs Relaisstationen für Frequenzen von Bundes- und Landespolizei” wohl die materielle Basis entzogen. “Randale” eben, obwohl sich bislang “keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt” habe, “kaum 300 Meter entfernt von den Gleisen, auf denen der Castor kommt”.

Aber ansonsten… läuft “alles wie immer, wenn sich Polizei einerseits und Atomkraftgegner andererseits vorbereiten auf den größten regelmäßigen Polizeieinsatz in Deutschland”.

Da weckt “der Aufbaustab der Polizei … zahllose Unterkünfte im Großraum Lüneburg aus ihrem kanpp einjährigen Dornröschenschlaf, die Widerständler motten Zelte und Bauwagen aus für die Camps an der Strecke”…

Hier sei nun angemerkt: Nein, “Ehrensache” ist es nicht, wenn Menschen aus der ganzen Bundesrepublik anreisen, und ein “Ritual” würden sich die Wendländer gern schenken. Daß beim letzten Transport “aus Sicht der Polizei alles glatt gelaufen” sei, mag deren rosaroter Knüppel-Helm-Sicht entspringen, hat aber nichts mit der Realität zu tun. Mußte die Polizei doch mehrere massive Straßenblockaden von an Betonklötzen angeketteten Bauern mühsam beseitigen, und nebenbei noch zwei Leichenwagen, die die Straße blockierten, auseinanderflexen, bevor sie den Transport überhaupt auf die Staßenstrecke bringen konnte…

“Anders als in den Vorjahren gelang es den Demonstranten nicht, den Ablaufplan durcheinanderzubringen”! Aha.

“Der Widerstand bröckelt weiter ab”, hofft der Niedersächsische Verfassungsschutz nach “Abendblatt”-Bericht.

Nun ja, man wird sehen. Nach dem jähen Ende der Rot-Grünen Koalition versucht die Atomindustrie mal eben schnell der Weiterbetrieb ihrer maroden AKW anzuschieben – zusätzliche Milliardengewinne leuchten in ihren Augen. Aber die Mehrheit der Deutschen will keine Atomkraftwerke weiterbetreiben lassen, will den wirklichen Atomausstieg. Daß der Weiterbetrieb von AKW nicht durch Regierungen gestopt werden kann, ist mittlerweile offensichtlich geworden. Jetzt werden sich durchaus mehr und mehr Menschen wieder daran erinnern, daß nur der “Druck der Straße” den Regierenden Feuer unter dem Hintern machen kann. Und werden sich dann hoffentlich mit auf die Strecke setzen, sich dabei zwar einen kalten Hintern holen, aber deutlich machen, daß es um ihre, unsere Zukunft geht, und nicht um “Rituale”, wenn der zehnte CASTOR-Transport nach Gorleben behindert wird.

Übrigens: wer erinnert sich eigentlich noch daran, daß “CASTOR-Transporte” eigentlich ganz anders geplant waren? Daß ursprünglich jeweils ein einzelner Behälter, wie ein üblicher Schwertransport von nur einem Polizeifahrzeug begleitet, ohne großen Aufwand nach Gorleben geschafft werden sollte?

Das “Ritual”, daß zehntausende von Polizisten jeden November überfallartig das Wendland besetzen, um die CASTORen durchzuprügeln, muß tatsächlich ein Ende haben. Wir, und Ihr, werden dafür sorgen. Früher oder später.

Ein Ritual: Das zehnte Jahr im “Castor-Kampf”

Artikel im “Hamburger Abendblatt” v. 10. 10. 2006

“Funkmast der Polizei gefällt”

Artikel bei Indymedia vom 6. 10. 2006

Umgestürzter Polizei-Funkmast bei Leitstade / Oktober 2006

Von Hans, 10.10.2006, 14:19 Uhr

Nun sammeln sie wieder, die Damen und Herren der Polizeidirektion Lüneburg. Sammeln alles, was ihnen so unter die Finger kommt, um den Widerstand des Wendlands zu diskreditieren, oder gar zu kriminalisieren. So absurd die Umstände sind, die sich um ein Loch auf oder an der CASTOR-Straße beziehen, so schnell greifen die polizeilichen Kriminalisierungsmethoden.

Getroffen hat es einen Menschen aus Langendorf an der CASTOR-Strecke – sein Haus und Hof wurden am vergangenen Donnerstag, den 5. 10. durchsucht. Gefunden wurde – nahezu nichts. Aber das paßt der Polizei nicht wirklich ins Kalkül. Also lanciert sie heute (10. Oktober) in der örtlichen Zeitung einen Artikel, in dem es heißt, im Zuge der Ermittlungen habe sich “der Tatverdacht gegen eine beschuldigte Person erhärtet, so daß das Amtsgericht Dannenberg auf Antrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg den Durchsuchungsbefehl erlassen” habe, so kolportiert das Blatt. “Verschiedene Gegenstände”, die “daraufhin untersucht werden, ob sie mit dem Loch in Verbindung gebracht werden können, das Unbekannte Anfang September in die Fahrbahndecke gebohrt hatten”, seien sichergestellt worden…

Gesucht wurde gemäß Durchsuchungsbeschluß wegen “Sachbeschädigung” nach “Bohrgerät und Bohrrückständen”. “Sichergestellt” wurden 3 leere 10-Liter-Wasserkanister, ein plattgetretenes “Haribo”-Bonbon aus dem Auto des Betroffenen, und uralte Sandreste. Davon aber ist kein Wörtchen in der Lokalzeitung zu lesen.

15 Herren des Morgengrauens in Zivil standen pünktlich um 7 Uhr vor der Tür und wedelten mit dem Haussuchungsbefehl, durchsuchten des Hausbesitzers und Freundin Privatgemächer, Auto, sowie Nebengebäude, Werkstatt und Holzschuppen. Die Zufahrt zum Ort wurde von Polizeiwagen erstmal abgesperrt, damit möglichst keine Unterstützer dem Betroffenen Mut machen konnten. Doch die leben als Nachbarn im Dorfe selbst, und auch andere wissen, wie und wo es langgeht, so daß schließlich 20 Menschen den Durch-Suchenden nicht geheuer vorkamen. Schnell war dann auch die uniformierte Poliezi am Ort.

Noch bevor die Anwältin des Betroffenen es bis zu seiner Wohnung geschafft hatte, war er bereits eingeladen und in die Polizeikaserne nach Lüchow geschafft worden – zur Erkennungsdienstlichen Behandlung. Die Anwältin, die sofort hinterhergeeilt war, wurde nicht zu ihrem Mandanten vorgelassen, mit der Begründung, dieser sei gar nicht dort. Erst nachdem Fotos und Fingerabdrücke für die Akte erfaßt waren, durfte sie zu ihrem Mandanten. Damit hatte der Widerspruch gegen die ED-Behandlung keine aufschiebende Wirkung mehr – das, was sie wollten, hatten die Hüter des Rechts bereits im Deckel…

Wendland, in den Vor-CASTOR-Tagen.

Grundrechte? Gelten derzeit nicht mehr.

Von Hans, 06.10.2006, 19:25 Uhr

Gibt es wieder eine Rallye in der Göhrde? Wo lässt sich X1000 nieder? Was plant die Ini 60? Läßt die Notgemeinschaft sich in Ihre Karten kucken? Neun Sprecherinnen verschiedener Widerstandsgruppen stellen am kommenden Wochenende im Clenzer Kulturladen ihr Konzept zum Castor-Transport im November vor. Unter dem Motto „Wer, was, wann, wo“ bietet Moderator Willem Wittstamm Gelegenheit, sich zu informieren und Entscheidungshilfen abzufragen: welche Widerstandsaktion ist für mich geeignet, welche Aktionsform machbar?

Die als Auftakt für die „heiße Protestphase“ geplante Veranstaltung verspricht interessante Einblicke in das breite Spektrum der aktiven Umweltschützer. So wird sich erstmalig die neu gegründete „Clownsarmee“ präsentieren, eine Vertreterin der schon im letzten Jahr erfolgreichen Aktion “Stuhlprobe“ wird über ihre Erfahrungen berichten und auch die Volxküche wird ihr Süppchen kochen. Von der Schülerdemo bis zum Programm im Kulturzelt Musenpalast, die Aktionen zum strahlenden Müll-Transport werden auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass die „Grünen Wochen“ im Wendland nicht so verlaufen werden, wie es sich die Atom-Lobby und ihre Vollzugshelfer wünschen. Beginn Freitag, 20°° Uhr.

Klaus der Geiger

Auch zum diesjährigen CASTOR-Transport wird Klaus der Geiger wieder ins Wendland kommen. Im “Musenpalast”, einem Zirkuszelt im Dorf Laase an der Transportstrecke wird Klaus aufspielen, um den verfrorenen Menschen, die sich von den Aktionen an der Transportstrecke ausruhen möchten, ein wenig Wärme zu geben – oder richtig einzuheizen! Der “Musenpalast” ist eine reine Kulturveranstaltung, hat mit den Protesten direkt nichts zu tun. Viele weitere Künstler und Kulturschaffende werden dort auf ihre Weise klarmachen, das die CASTOR-Atom-Macht-Kultur, die von der Polizeiarmada demonstriert wird, eine ganz andere ist, als die leise, manchmal auch laute Kultur der Menschen aus dem Wendland und ihrer Freunde…

Von Hans, 05.10.2006, 13:21 Uhr

Jahr für Jahr erläßt die Polizei für den CASTOR-Transport ein flächendeckendes Demonstrations- und Versammlungsverbot entlang der CASTOR-Strecken und den Gorlebener Atomanlagen. Für mehrere Tage ist in einem Bereich von 72 km Länge und bis zu einem Kilometer Breite jeglicher Protest untersagt, und damit das Grundgesetz im Wendland faktisch außer Kraft gesetzt.

Die “Republik Freies Wendland” hat sich nun entschlossen, eine eigene “Allgemeinverfügung” gegen Atommafia und Atomstaat zu erlassen. Auf mehreren Zeitungsseiten, die zuerst in der örtlichen “Elbe-Jeetzel-Zeitung” als Anzeige veröffentlicht werden soll, wird ebenso minutiös, wie es die Polizei jährlich gegen den Widerstand gerichtet tut, aufgelistet werden, welche Straftaten und Verbrechen sich Polizei- und Atomstaat zuschulden kommen lassen.

Diese Anzeigenkampagne kostet richtig viel Geld. Daher werden viele Unterstützer gesucht, die selbst auf der Anzeigenseite als Mitunterzeichner erscheinen, und dafür entsprechend mindestens 5 Euro spenden.

Gegen die Allgemeinverfügungen der letzten Jahre laufen schon lange Verfahren vor den Verwaltungsgerichten. Nun ist unlängst eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht worden. Auch diese Verfahren kosten Unsummen – die Finanzierung kann allein von der BI Lüchow-Dannenberg nicht getragen werden.

Den ersten Entwurf der Allgemeinverfügung und Unterschriftenlisten könnt Ihr Euch im Internet herunterladen und verteilen: http://www.castor.de/aktionen/2006/allgvfg.html


Oder hier ausdrucken:

allgemeinverfugung.png

bekanntmachung-web-kommentierbar.pdf

Wer die Aktion direkt mit einer Geldspende unterstützen will, kann sofort loslegen: Wir haben  auf der Internet-Seite vom “Spendenportal” eine Möglichkeit vorgesehen, sofort online für diese Aktion auf das Konto der BI zu spenden. Bitte NUTZT DIE SPENDENMÖGLICHKEIT!!!

Danke!

Von Hans, 02.10.2006, 18:28 Uhr

Nun legen sie los, die Menschen aus dem Wendland. Mal wieder. Im wahrsten Sinne des Begriffs wird gemalt. Am vergangenen Sonnabend auch in Langendorf – dem Ort im Wendland, das seinem Namen alle Ehre macht. Und weil der CASTOR dort sehr lange durchfährt, währt auch der Widerstand der Dorfbewohner immer länger.

Gebaut und bemalt wurden in einer der vielen Scheunen – die gibt es dort, mehr als die Polizei erlaubt, gut zwei Dutzend “X”e, knallbelb das Symbol des Widerstands im Wendland, und überall zu sehen. Mancher Tourist wundert sich: “Diese Xe sind ja auch an ganz normalen Bauernhäusern! Und auch an richtig noblen Villen kann man die entdecken!” Tja, hier stehen viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Kreisen, auch unterschiedlichen Parteien auf der Straße, wenn der CASTOR kommt.

Eine große Stellwand wird bald die Transportstrecke zieren, da kann die Ppppolizei machen was sie will. Und auch die schon fast traditionelle St-Leonhards-Prozession wird sie nicht verhindern können. Auch wenn es wieder eine flächendeckendes Demonstrationsverbot per “Allgemeinverfügung” geben sollte: Die Langendorfer werden sich das Demonstrieren nicht verbieten lassen. Nicht auf ihrer Dorfstraße, da kennen sie NIX!

Die Prozession wird von der Kirche mit organisiert. Motto: “St. Leonhard, schütze uns vor Atom, Krieg und Brand”!

Von Hans, 29.09.2006, 16:55 Uhr

Da wußte es wieder jemand ganz genau. Der “gemeine Blockwart” paßt genau auf, was an der CASTOR-Transportstrecke so passiert. Ein Loch, ein Loch! So scheint jemand erkannt zu haben, auf der Straße! Soll da wohl wieder ein Stück unterspült werden? Der “mündige Bürger” muß da unbedingt was unternehmen. Also, schnell notiert, welche Nummernschilder in der Nähe parkende Autos haben. Und die Polizei alarmiert.

Die ist schnell beim Recherchieren. CASTOR-Gegner, ganz offensichtlich, haben da irgendwo geparkt! Von den im CASTOR-Landkreis zugelassenen Autos dürften sicher zwei Drittel den Atomkraftgegnern zugeordnet werden können. Aber die Nummernschild-Besitzer sind “szenebekannt”. Und nun wird der Phantasie freier Lauf gelassen. Bei der Polizei, bei der Lokalzeitung. “Sabotageakt verhindert” titelt der lokale Aufmacher der “Elbe-Jeetzel-Zeitung” vom 15. September 2006.

Ein Loch, 20 cm Durchmesser, 60 cm tief ist überhaupt nicht geeignet, um eine “Wasserlanze” unter der Straße zu platzieren. Aber das macht nichts. Man kann weiter spekulieren, phantasieren, kriminalisieren. Die zur-falschen-zeit-am-falschen-Ort-Parker werden flugs mit dem Brand von Polizeicontainern in Verbindung gebracht, bei dem vor ziemlich genau einem Jahr Unterkünfte für gut 600 Polizisten ein Raub von Flammen und Löschwasser wurden… “Ob sie verhaftet wurden, ist derzeit noch unklar”; die Polizei gibt dazu keine Auskunft, so das Lokalblatt.

Verhaftet wurde niemand. Auch nicht beim Loch-buddeln beobachtet, wie sich später herausstellt. Der Radiosender “NDR” fragt beim Polizeisprecher nach: “Ich kann nur sagen,
dass wir eine Verbindung zu anderen Straftaten nicht sehen und
herstellen können, aufgrund der Ermittlungen. Die Ermittlungen dauern
an, dadurch dass wir keine Täterhinweise haben ist es schwer und
langwierig”.

Wozu also der Bericht in der Zeitung? Und warum wurde bisher nicht richtiggestellt, dementiert, oder über den aktuellen Ermittlungsstand berichtet?

Auch darüber kann spekuliert werden. Ein “Versuchsballon” der Polizei, um die “Szene” zu verunsichern? Seit Jahren schon schaffen es Zehntausende von Ordnungshütern nicht, die phantasievollen Proteste und Blockaden an der Schiene, auf der Straße zu verhindern. Und die “Täter” des Container-Brandes sind auch nicht zu ermitteln – und daß es überhaupt einen Zusammenhang mit CASTOR-Gegnern gibt, dementiert die Polizei offiziell von Anfang an. Was man nicht selber sagen will und darf, kann man aber öffentlichkeitswirksam über die sensationslüsterne Presse vermarkten. Etwas wird schon hängenbleiben. Zumindest als Begründung für eine flächendeckendes Demonstrationsverbot per “Allgemeinverfügung” könnte sei ein Zeitungsbericht schon herhalten. Ein Schelm, wer sich zuviel dabei denkt…