Von Hans, 26.10.2006, 15:41 Uhr

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Beitrag aus Indymedia: http://www.de.indymedia.org/2006/10/160121.shtml)

Die Auseinandersetzung darum, wo es lang geht im Wendland, wird in den Tagen vor dem Castor-Transport mit aller Verbissenheit geführt. Jetzt greifen die Ordnungshüter zum letzten Mittel: sie schrauben die Ortseingangsschilder einfach komplett ab.

Seit sich der Landkreis Lüchow-Dannenberg immer wieder im Zustand der Besatzung durch große Einheiten von Bundes- und Landespolizeien befindet, gibt es auch einen beharrlich geführten Streit um Schilder. Im Widerstand gegen die Atomanlagen haben viele Menschen ein Vorbild aus der tschechischen Geschichte aufgegriffen: als 1968 russische Panzer einrollten, um den “Prager Frühling” plattzurollen, griff die Bevölkerung zu Pinsel und Farbeimer und schwärzte alle Hinweisschilder. Die Besatzer, so die Absicht, sollten sich einfach nicht zurecht finden.Gedacht, getan. Aber Polizei und Straßenmeisterei setzten ihren ganzen Eifer dagegen, um jederzeit und überall hübsch beschildert zu sein. So entwickelten sich die Bemühungen in steter Korrespondenz. Zunächst war es Teerfarbe, die zum Einsatz kam, nachdem einfacher Lack mit Lösemitteln abzuwaschen war. Abgelöst wurde die durch den einfacher zu handhabenden Unterbodenschutz. In den letzten Jahren haben sich mehr und die freundlicher wirkenden Plakate durchgesetzt. Die Kleberindustrie hat auf diesem Gebiet schöne Fortschritte erzielen können. Bauhofmitarbeiter und Wachtmeister haben reichlich zu knibbeln.Offensichtlich geht den Hüterinnen und Hütern der öffentlichen Ordnung gerade die Geduld verloren. Sie schrauben die Schilder ab. Willkommen im Nirgendwo!
Von Hans, 25.10.2006, 17:24 Uhr

Jetzt wird beraten, werden Pläne geschmiedet, Menschen springen im Dreieck, schlagen Rat, setzen sich zum Ratschlag zusammen. Im Wendland. In der Nähe des Verlade-Krans. Am Sonnabendnachmittag ist wieder die große Debatte angesetzt: Wer macht wann was wo und wie, und vor allem, ohne anderen Aktivisten in die Quere zu kommen, beim WiderSetzen, oder X-1000maligem Quersitzen. Was steht schon fest, was muss öffentlich angekündigt werden, welche Ideen sind noch nicht ausgereift?

Jedes Jahr wieder erscheint eine quirlige Menge Menschen zu diesen Treffen, Vertreter von CASTOR-Gruppen, aber auch diejenigen, die sich ganz kurzfristig erst haben daran erinnern lassen, dass der diesjährige CASTOR eben doch nicht wg. Fussball-WM und Bush-Besuch ausfällt. Ja, jetzt also noch schnell was organisieren, absprechen, Freunde aktivieren – das Chaos wird perfekt funktionieren, wenn die Bandbreite des Widerstandes am Sonnabend, den 28. 10. im Gasthaus Grönecke in Breese/Marsch. 15 Uhr, zusammengetragen wird. An bunten Aktionen kreativ mitgestalten, neben der sinnvollen Koordination, die auch wegen des um einen Tag vorgezogenen Transportstarts am 10. November notwendig ist, soll die Veranstaltung auch ?Mut und Lust auf gemeinsamen fantasievollen und hartnäckigen Protest machen?, so hoffen die Widerständler der wendländischen BI.

Am Sonnabend wird auch die “offizielle” Demo-Verbotszone feststehen. Wie jedes Jahr wird auch diesmal von der Polizeidirektion Lüneburg eine “Allgemeinverfügung” vorbereitet. Spannend wird sein, nachzulesen, was in der Vergangenheit so alles an Aktivitäten stattgefunden hat, akribisch aufgelistet, angebliche “Straftaten”, die von den Behörden nicht gerade als Lustig eingeschätzt werden. Löcher buddeln beispielsweise – dafür würde sich an anderem Ort zu anderer Zeit keine noch so dumme Sau interessieren – dürfte hier vermutlich wieder in eine “Gewaltprognose” einbezogen werden.

Eines wird aber auch nach diesem “Ratschlag” sicher sein: Die Menschen ziehen an einem Strang – immer wieder die CASTOR-Transporte zu verhindern, den ungeeigneten Salzstock Gorleben zuzuschütten, den sofortigen Ausstieg aus der Atomindustrie durch den Druck der Straße zu unterstützen. Wendländische Widerständler sind und bleiben aber so unterschiedlich und flexibel, dass ein von der Polizeibehörde herbeigeredetes “koordiniertes” Widerstandskonzept absolut undenkbar ist. Aber das wissen die Damen und Herren und ihre Helfershelfer in Lüneburg eh ganz genau. Und daher sollten sie es sich und dem Widerstand ersparen, ihre Spitzel zum samstäglichen Ratschlag zu schicken, nicht, dass diese plötzlich durchdrehen und Rad schlagend den Saal verlassen müssen.

Von Hans, 24.10.2006, 17:36 Uhr

Ein beliebiger Abend im Wendland. Ein Audi Quattro wird von einer Polizeistreife angehalten. Die fünf Insassen müssen sich ausweisen. “Hier geht es nicht weiter” – die übliche Antwort der Beamten auf die Fragen, was das denn soll. Das Fahrzeug ist verkehrstüchtig, hat TÜV, selbst die ASU ist noch nicht überfällig. Also weiter? Mitnichten – nicht hier, zu CASTOR-Zeiten. Dann wird die “Ordnungswidrigkeit” offenkundig. Einer ist zu viel. Nicht der Polizist, der im Wege steht. Sondern einer der Mitfahrer – Aussteigen!

“Sie fahren zu fünft! Das geht nicht! Ist schließlich nur ein Audi Quattro!”

Die Fahrgemeinschaft tippt sich an die Stirn. Virtuell – alles andere wäre ja Beamtenbeleidigung. Sinnlose Diskussionen folgen. Auch das üblich im CASTOR-Land. Der Vorgesetzte wird verlangt. “Das geht nicht”, so die Auskunft des Staatsdieners. “Der hält gerade zwei andere Demonstranten fest. Die sind im Fiat Uno unterwegs”.

Von Hans, 23.10.2006, 13:09 Uhr

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Absurdes Theater. Aber eigentlich hätte niemand anderes erwarten sollen, als sich am sehr frühen Sonntag Nachmittag so um die Hundert CASTOR-Gegner und etwa ebensoviele Damen und Herren in Grün und tiefblauschwarz mitten im Wald zum Match trafen. Das “RolleBall”-Turnier sollte ausgetragen werden, an einem der beliebtesten und ansonsten über 360 Tage im Jahr vermutlich unbelebtesten Bahnübergänge in Niedersachsen, Grünhagen bei Tollendorf. Mitgebracht wurde vieles zum “Rollen”: aufgeblasene Treckerreifen, aufgeblasene Herren, mit modern-gegeltem Haarschnitt in Uniform, Blechtonnen als Atommüllfässer, Fußbälle und Golfbälle, aber auch StrohBälle, doch, wohl eher -Ballen, die am Übergang der Bahn die Seiten wechselten, und dabei ab und an mal liegen blieben.

Das wiederum war den Zuschauern am Waldesrande irgenwann doch zuviel. Sie wollten, oder mußten in ihre vorgegebenen Kostüme schlüpfen, die gepanzerten Arm- und Beinschützer überstreifen, greifen, eingreifen, die Rollerei beenden, genau die Rollen spielen, die von den Top-Level-Regisseuren aktuell vorgegeben wurden – “Hau weg den Scheiß” das Motto? Zuerst wurde er zerfetzt, getreten, der Strohballen, der sich übergangsweise auf der Straße quergelegt hatte. Dann aber, vielleicht die Regeln des “Rolle”Ball-Turniers erkennend, beherzt, in Team-Work, in den Graben gerollt wurde.

Wer dem diesem Bundes-Team im Wege war, sich nicht sofort wegdrängeln liess, wurde personalisiert. Auch die rotgekleideten Teamer der eigentlich nicht zur Teilnahme eingeladenen Mannschaft konnten, durften diesen unfairen Spielverderbern nicht Einhalt gebieten – “bei laufenden Maßnahmen haben wir keinen Einfluß mehr” – keine wirklich sinnvolle Vorgabe zum Managen von Konflikten.

Auch die Schiedsrichterin wurde von dem ungebetenen auswärtigen Gästen belästigt. Wer die Regeln bestimmen will, bestimmt auch den Schiedsrichter. Und wenn diese widerspricht, ist das Beleidung – Anlaß zur weiteren Personalisierung. In Einzelfällen kann aber auch auf diese verzichtet werden; hat das Team mit dem Gewaltmonopol doch seine Häuptlinge dabei, die ihre Gegner seit Jahren persönlich kennen. Die Anzeigen werden sowieso erst nach Spielende am Schreibtisch spielerisch-locker-phantasievoll geschrieben.

Geehrt wurden nicht nur die Turniersieger – beim Boßeln mit Golfbällen auf der Schiene waren von zwei Kiddies Best-Weiten von 11 Schwellen erreicht worden. Trotz Schummeln kam da kein Älterer mit -

Geehrt wurden auch die drei Herren des Morgengrauens, die ab und an mal genau sehen wollen, wie es sich im Wendland so lebt, in den Häusern, die ihnen üblicherweise versperrt bleiben. Die sie dann nur besuchen dürfen, wenn sie einen entsprechenden Befehl organisiert haben, mit welcher an den Haaren herbeigezogenen Begründung auch immer sie nach Verantwortlichen eines “Bohrlochs” in einer Straße suchen, mit 15 cm Durchmesser. Die Verantwortungslosen aber, die seit Jahren schon überdimensionale Bohrlöcher in den Gorlebener Salzstock getrieben, und dabei Milliarden Stuergelder verschwendet haben, ungeschoren lassen.

Und damit sie ihren Hunger auf Erfolg nicht wieder mit ekligen Haribos, die mühsam von einer Automatte gekratzt, stillen müssen, sollte ihnen nun ein entsprechendes Präsent überreicht werden: zwei Gummibärchen in einer Plastik-Tüte, absolut steril verpackt, wie es sich gehört, mit Pinzette, und Aids-Schutzhandschuhen – Gentestsicher.

Dochdie Herren mochten nicht zum Podium kommen – durften etwa auch sie den Bahnübergang nicht queren? So nahm denn der Chef der Lüchower Polizeitruppe persönlich das Präsent entgegen, das man ihm dann auf die andere Seite hinübergebracht hatte, mit dem persönlichen Versprechen, es auch weiterzugeben.

Enttäuschung im Gesicht eines der für die Ehrung Vorgesehenen, als er den Inhalt des Präsenttütchens aus gebührender Entfernung zu sehen bekam. Enttäuschung aus mehreren Gründen. Präsente dürfe er ja nicht entgegennehmen, das verbiete das Beamtenrecht. Und dann waren da auch nur zwei Bärchen drin, wie solle man die 3-teilen? Und eigentlich wäre für ihn doch ein Fläschchen Roter aus deutschen Landen angebrachter, Trollinger-Lehmberger aus der Gegend um Neckarwestheim, vom “Hörnle”, das wär doch was gewesen…

Irgendwann ist die Spielzeit zu Ende, das Publikum verläßt den Schauplatz. Ob die ungeladene gegnerische Mannschaft, wie vor einem Jahr beim WolleBall-Turnier, wieder aufgeräumt, Zigarrettenkippen in Plaste-tütchen gesteckt hat, ist nicht bekannt. “Müll beseitigen”, wie es deren oberster Dienstherr, der niedersächsische Innenminister damals als selbstverständliche Aufgabe seiner Truppen angesehen hat, scheint nun nicht mehr “in” zu sein. Wie auch: Hat schon mal jemand von Kopf bis Fuß Colani-durchgestylte Müllmänner-Kojaks mit Knarre und Knopf-im-Ohr in Parkanlagen Kippen sammeln gesehen? Ob einer solchen Ressourcen-Verschwendung gar im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler aufzutauchen, wäre doch zu peinlich für eine solche Schöne-Mann-Truppe…

Fotos vom RolleBall-Turnier

Von Hans, 21.10.2006, 09:10 Uhr

“Gorleben: „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“

Unterstützt von über 1600 Unterzeichnern hat heute (21.10.06) die „Freie Republik Wendland“ durch den Abdruck einer fünfseitigen „Bekanntmachung“ in der lokalen Elbe-Jeetzel-Zeitung (EJZ) eine „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ mit Betretungsverbot der „Besatzungsmacht“ für das Wendland erteilt.Drei Wochen vor den geplanten nächsten Castortransporten am 11. November teilt der „Ausschuss für Innere und Äußere Sicherheit der Freien Republik Wendland“ zusammen mit dem „Ältestenrat“ in der Bekanntmachung folgenden Beschluss mit:

„I. Den sofortigen Stopp der Atommüll-Transporte ins Wendland.

II. Das Verfüllen des als Endlagers vorgesehenen, undichten Salzstockes Gorleben.

III. Die Beschränkung des Versammlungsrechtes für Polizeieinheiten im gesamten Wendland“.

Hintergrund: Seit über 10 Jahren setzt sich die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg e.V. (BI) gegen die mittels einer Allgemeinverfügung verhängte über 70 km lange und bis zu 1 km breite Demonstrationsverbotszone zwischen Lüneburg und Gorleben bei Castortransporten zur Wehr. Eine Beschwerde der wendländischen BI ist dagegen beim Bundesverfassungsgericht anhängig und noch nicht entschieden.

„Begründet werden die grundrechtseinschränkenden Verbotszonen mit haarsträubenden Gefahrenprognosen über demonstrierende Atomkraftgegner. In der Begründung ihrer geplanten Bekanntmachung listen Atomkraftgegner nun detailliert eine Gefahrenprognose rund um die Nutzung von Atomkraft und Auswüchsen von Polizeiwillkür auf“, fasst der BI-Sprecher zusammen.„Die polizeiliche Allgemeinverfügung über Versammlungsverbotszonen zu den Castortransporten, die nächsten Samstag (28.10.06) mehrseitig in der EJZ erscheinen wird, ist durch die von vielen Menschen getragene Aktion schon jetzt ad absurdum geführt“.

Text der „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ mit ausführlicher Begründung:

http://www.castor.de/aktionen/2006/allgvfg2.html

Hinweis zur Historie: Die „Freie Republik Wendland“ oder auch „Republik Freies Wendland“, wurde im Mai 1980 bei der Besetzung der geplanten Endlagerbaustelle (1004) von Tausenden Menschen gegründet und ein Hüttendorf mit Schlagbaum und Passstelle zur „Gegenwehr“ errichtet. Dieses Hüttendorf und damit die „Republik“ wurde mit dem größten Polizeieinsatz der deutschen Nachkriegsgeschichtegewaltsam geräumt. Damals hieß es: „Turm und Dorf könnt ihr zerstören, aber nicht die Kraft, die es schuf“!

agv-s1.jpg Bekanntmachung der “Freien Rebublik Wendland” – Allgemeinverfügung gegen die Atompolitik

Von Hans, 17.10.2006, 23:34 Uhr

Kennen Sie den Energiebedarf für die Urananreicherung? Nein?

Dann hier die Info über die Urananreicherungsanlage (UAA) Eurodif in Pierrelatte:

Drei der vier Blöcke des benachbarten AKW Tricastin laufen nur für sie. Die UAA verbraucht damit mehr Strom als die SNCF mit ihren Tausenden von Zügen pro Tag. Sie verbraucht auch mehr Strom als ganz Paris (innerhalb der Stadtgrenzen) mit gut 2 Mio Einwohnern inkl. Gewerbe.

Quelle: Science & Vie, frz. populärwissenschaftliche Zeitschrift, April 2002

Von Hans, 16.10.2006, 15:26 Uhr

Seilhüpfen, Rallyefahren, Personalien Haschen – Sonntagvormittagsvergnügen im Wendland

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In der Vor- und CASTOR-Zeit geht es sportlich zu im Landkreis. So auch am Sonntag vor dem Verladekran in Dannenberg, wo sich etwa 30 “Graue Zellen” zu ihrer “Stuhlprobe” auf der Straße eingefunden haben. “Grau – schlau – unbequem” ist das Motto der meist grau- und weißhaarigen, aber durchaus auch mal rothaarigen Älteren der CASTOR-Gegner.

Grün und modernistisch-tiefblauschwarz uniformiert dagegen die Herren – Damen fehlten an diesem Sonntage – der Ordnungshüter. Denn Ordnung muß schließlich sein, im bundesteutschen Atomstaat. Wo sich die “Grauen Zellen” denn nun niederlassen sollen, dürfen, können, war Gegenstand einer längeren Debatte – wie immer, weitgehend ergebnislos. Menschen setzen sich, einfach so – Polizisten ziehen sich genervt zurück. Diskussionssport zur “Fünften Jahreszeit” in Lüchow-Dannenberg.

Sportliches Sitzen ist für die Alten aber nicht wirklich alles, auch Bewegung ist angesagt. Warum nicht wieder zurückdenken, an die Kindheit, so 40-50-60 Jahre, als nicht Stock und Stuhl, sondern Stock und Stein im Mittelpunkt der Aktivitäten standen. Und Hüpfen – Seilspringen. Ja, es wurde versucht, direkt vor den Videokameras am Verladekram, von Oma und Opa. Der Rekord: 15 mal ohne Kollision mit dem Seil!

Aber auch andere Sportarten waren angesagt. Rallye-Fahren beispielsweise. Von den Alten im silbergrauen Hochglanzauto, deren Graue Zellen nicht mehr so wirklich aktiv waren. Die Straße war ja besetzt, von Seilspringern, Stühlesitzern, Plakatklebern. Aber durch – immer durch. Mit wendländischer Sturheit. Wenn’s denn nicht den direkten Weg geht, dann eben über den Grünstreifen, auch wenn ein Graben unmittelbar angrenzt. So wie auch die Atomkraftgegner fast immer einen Weg um Absperrungen herum finden.

Aber da saß eine Frau, auf dem Grünen, konnte oder wollte – wer weiß das schon – nicht gleich aufstehen. Ein, zwei Minuten Diskussion, dem silbergrauen Autofahrer wurde von den Grauen Zellen dann ganz brav der Weg geebnet, zurück zum Asphalt; selbst das Absperr-Klebeband “Sofort Stillegen” kurzzeitig beiseitegenommen. Die Auto-Insassen, dann wieder freundlich, wie (fast) alle Wendländer, bedankten sich, und weiter gings. Sportlich, sportlich.

Irgendwann sind die Kalorien verbraucht, wird es kalt – man und frau übt ja noch – und das Mittagessen wartet… Die Zellen wollen gehen. Können aber nicht. Denn jetzt kommt die gegnerischen Mannschaft ins Spiel. Sie erfindet eine neue Sportart. Personalien Haschen. Die von der Seitenstreifen-Sitzerin nämlich. Die müssen unbedingt ins Notizbuch. Weil, die hat ja blockiert! Den silbergrauen Rallye-Fahrer. Das ist widrig. Ordnungswidrig. Sogar der “Nötigung” wird das Wort geredet. Vom Hascher. Also: Personalien her!

Schon beginnt das Spiel von neuem: Debatten über Debatten. Da muß der Hascher seine Macht jetzt deutlich zeigen – Menschenverstand, Freundlichkeit, Verständnis ist da nicht angesagt – hier gelten die Regeln des Rugby. Und die Masse – vier Grüne Polizeiwagen samt Mannschaft unterstützen den tiefblauschwarzen Hascher in seinem Verlangen. Her mit den Personendaten, sonst ab auf die Wache, in die Polizeikaserne nach Lüchow.

Sportler agieren auch mal taktisch. Also, denn, wenn’s dem Selbstwertgefühl des Einsatzleiters dient, darf er endlich Namen und Adresse in sein kleines Büchlein schreiben. Einen Punkt gesammelt. Abgang im Schnellgang. Rin in sein blitzblankgeputztes schwarzes Zivilfahrzeug. Und schnell noch die nächste Sportart demonstrieren, Vollgas als möchtegern-Schumi, weg, weg, bloß weg von diesen ekligen, penetranten, nicht belehrbaren Grauen Zellen…

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Von Hans, 14.10.2006, 23:22 Uhr

Zu diesem CASTOR-Transport wird eine neue Belastung das Wendland heimsuchen: Die Clowns kommen – in Armee-Stärke! Jedenfalls hat sich die Clowns-Army bereits angekündigt. Aus verschiedener Herren Länder, nicht nur bundesrepublikanischen, werden sie diesmal die Macht der Ordnung aufmischen. Und das öffentlich! Angekündigt! Und sie sprechen sich ab! Bereiten sich vor! In Camps!

Organisieren Workshops! Wie soll das enden????

Wir dokumentieren hier einen Aufruf:

Clowns zum Castor!


Clowninnen und Clowns, Verrückte und Verlassene, Radikale und
Abtrünnige, AufrüherInnen und Unbeugsame, Lästermäuler und
Lüsterlinge, Faule und Feiglinge, Närrinnen und Narren:
Wir brauchen Euch!


Wieder gibt es im Herbst die wunderbare Möglichkeit sich drei liebreizende Tage lang zur besten Fasnachtszeit zusammenzuschließen, die Nasen auszupacken, der Dummheit zu fröhnen und nach Herzenslust herumzutricksen. Die Clandestine Insurgent Rebel Clownarmy (CIRCA) nimmt das zum Anlass und lädt alle ein, die Lust haben auf verrückte Abenteuer abseits der üblichen Demozeremonie.

Die Clownarmy hat beim G8 Gipfel in Gleneagels 2005 und bei der Blockade des Atomwaffenstandortes Faslane (Scotland) erstmals größeres mediales Aufsehen erregt.Die CIRCA, die das zwanghafte Prinzip der Armee mit den Freiheiten der Clownerie verbindet und dadurch pesifliert und karrikiert, steht dabei sozusagen als Motor da.

Hier ein paar Antworten auf ungestellte Fragen von Captain Bep´: Erstmals zählen wir uns zum bunten Block. Allerdings ist unser Aussehen nicht nur bunt, sondern auch unser Handeln richtet sich nach anderen Mustern aus, als die, welche uns durch die Normierungen unseres Alltags auferlegt wurden. Diese Normen und Grenzen wollen wir durchbrechen. Wir sind richtige Clowns in direkter gewaltfreier Aktion zivilen Ungehorsams. Unsere Waffen dabei sind das Lachen und unser unbeugsamer Humor. Damit persiflieren wir die unmenschlichen Formen und Spielarten herrschaftlicher Unterdrückung.

Mitmachen kann im Prinzip jedeR, die/der zuvor an einem Training der CIRCA teilgenommen hat, in dem Grundlangen der Clownerie, der Körperwahrnehmung, des theatralen Spiels und verschiedene Taktiken des zivilen Ungehorsams vermittelt und geübt werden. Zu den Aktionen schließen sich Clowns dann zu sogenannten Gaggles zusammen, die entweder mit anderen Gaggles Cluster bilden, oder auch autonom agieren können. Die Gaggles können sich bestimmten Themen widmen, einem Ort oder sich einer Affinität zuordnen, ganz wie sie wollen. Zu den Councils, die horizontal organisiert sind, werden alle Gaggles eingeladen die dann eine/N SprecherIn ins Council schicken und ihn von außen unterstützen können.

Die Clownarmy macht sich auf den Weg ins Wendland, um die Befölkerung in ihrem Kampf gegen die einrückenden Besatzter zu unterstützen. Castortransporte werden trotz der bekannten Gefahren durch perfide millitärische Gewalt gegen den Willen 1000er Menschen durchgesetzt, um das Atomklo Gorleben weiter als scheinbares Endlager in der Öffentlichkeit zu zementieren. Wir werden gut vorbereitet sein und uns von diesem menschenverachtenden System nicht aufhalten lassen unser Lachen dahin zu tragen, wo es gebraucht wird!

Für Menschen die sich interessieren, gibt es die Gelegenheit an einem Clownworkshop teilzunehmen der vom 26. – 28.10. 06 in Meuchefitz stattfindet. Ein zweiter findet statt vom 8. -11. November im Camp Hitzacker.

Anmeldungen bei Matthias: 05841 974 280 ,
matthiashab@web.de oder im BI Büro.

Von Hans, 14.10.2006, 23:05 Uhr

Manche Dinge kann man sich einfach nicht vorstellen. Wie kann ein undichter Salzstock, wie der in Gorleben, zum Endlager-Standort ausgeguckt werden, einen sicheren Abschluß des hochradioaktiven Atommülls für 50.000 Menschen-Generationen gewährleisten, obwohl das Grundwasser Tag für Tag am Salze nagt?

Geologen finden da keine Antwort.

Politiker wollen den Müll schnellstmöglich verbuddeln – Hauptsache, aus den Augen, aus dem Sinn – für den Zeitraum ihrer Legislaturperioden.

So hat denn einzig eine “politische” Trotzentscheidung dazu geführt, daß bislang 1.5 Milliarden im Salz verbuddelt worden sind.

Schuld ist möglicherweis neben politischer Dummheit auch die “Zone”, die “DDR” (damals in Springer-Blättern noch mit Gänsefüßchen geschrieben).

Der damalige CDU-Ministerpräsident Albrecht hat den Standort Gorleben festgeklopft. Geärgert hat er sich dem Vernehmen nach, daß die DDR dicht an der Grenze zu Niedersachsen die Atommüllkippe Morsleben eingerichtet hat. Und vielleicht auch noch in Erinnerung hatte, daß die DDR-Grenzer bei Gorleben die Elbmitte als ihr Territorium beanspruchten, und das westdeutsche Vermessungsschiff “Kugelbake” nicht in den “Osten”, der da eigentlich Norden ist, herumfahren lassen wollten. Sogar schussbereite Maschinengewehre waren im Anschlag, die Briten auf westlicher Seite mit Panzern hinterm Deich, und die “Russen” mit MIGs in der Luft. Und der BGS, damals noch als “Grenzschutz” aktiv, mit Hubschraubern im Einsatz. (Details dazu in der “Elbe-Jeetzel-Zeitung” v. 14. 10. 06).

Jedenfalls soll Albrecht bei der Entscheidung für Gorleben nach Berichten des der damaligen Vizepräsidenten des niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (NLfB), Prof. Gerd Lüttig, mit den Worten “Jetzt werden wir´s denen mal zeigen” und „Da wird sich die Ostzone schön ärgern” die Entscheidung für Gorleben getroffen haben, obwohl für Gutachter, die verschiedene Salzstöcke im norddeutschen Raum untersucht hatten, Gorleben lediglich “dritte Wahl” gewesen sei.

Gorleben und “Schlachten” – Der Einsatz des BGS hat in der Nähe dieses Ortes also schon sehr viel länger Tradition …

Von Hans, 13.10.2006, 17:11 Uhr

Überstunden über Überstunden. Da macht das Polizist-sein wirklich keinen Spaß mehr.  Die Damen und Herren werden dauernd und übarall eingesetzt, in anderen Regionen, kommen nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit, schaffen den Streifendienst nicht mehr. Kein Schutzmann mehr da, wenn ein Kind nicht nach Hause findet. Alle weg, zum Bush-Besuch abkommandiert, im Einsatz bei Nazi-Demos, der Fußball-WM, und bald auch wieder zum CASTOR ins Wendland verfrachtet. In Polizei-Containern untergebracht, zu viert im blechernen “Zimmer”.

Da sollte der gemeine Wendländer schon Mitleid bekommen. So mit Heinz-Dieter Brunjes, Vorsitzender der Bezirksgruppe Nord der Gewerkschaft der Polizei, und bei der Bundespolizei seit Wochen damit beschäftigt, die CASTOR-Schienenstrecke abzusichern. Im “Hamburger Abendblatt” vom 13. Oktober 2006 beschwert er sich:  “Man könnte es abtun und sagen, das ist nun mal unser Job. Aber wann sollen die jungen Kollegen eigentlich noch einen Partner kennenlernen? Eine Familie gründen?”

Tja, Heinz-Dieter, da gibt es zwei Möglichkeiten. Einfach zu Hause bleiben, mal gemeinsam mit den Kollegen deutlich machen, daß Schluß sein muß mit den CASTOR-Transporten. Auch die Menschen im Wendland schieben “Überstunden über Stunden”, wenn der CASTOR kommt. Das bereitet den Widerständlern auch kein Vergnügen.

Oder die andere Möglichkeit: Verzichtet einfach auf die Präservative, die im vorigen Jahr (und auch diesmal???) an Euch verteilt worden sind. KollegInnen habt Ihr ja mittlerweile auch (ausreichend?) im Einsatz. Vielleicht klappt’s ja dann mit der (Bett-)Nachbarin. Und schon kann die Familie gegründet werden…

siehe auch:

http://www.abendblatt.de/daten/2006/10/13/624080.html