Von Hans, 11.11.2006, 00:34 Uhr

Marianne Fritzen, über 80jähriges “Urgestein” des wendländischen Widerstands, hat heute auf der Kundgebung “Nu geit dat los” am Dannenberger Verladekran eine Rede nicht nur an die Demonstranten, sondern auch an die Polizei gerichtet. Wir dokumentieren hier ihren Beitrag:

Guten Abend liebe Freundinnen und Freunde!

Nu geit dat los! Wieder einmal und das seit 30 Jahren. Was können wir da noch viel sagen? Unsere Gründe, unsere Argumente sind die gleichen geblieben.

Seit 30 Jahren gehen die Menschen hier auf die Strassen,
seit 30 Jahren versuchen wir uns gegen die atomare Verseuchung zu wehren,
seit 30 Jahren haben wir immer wieder bewiesen, dass wir mit kreativen, künstlerischen, passiven aber auch effektiven Widerstandsformen Wirtschaft und Politik die Stirn bieten können.

Wenn wir uns den Terminplan für die Castor-Tage 2006 anschauen, dann wissen wir, dass wir zu viel fähig sind.

Und noch zu viel mehr, als der Terminplan fassen kann.

Ja: und warum tun wir dies? Antwort: Weil wir nicht anders können. Zu viel steht auf dem Spiel, für uns, für unsere Nachkommen, für unsere Welt…

Ihr, die ihr dasteht, ihr wisst, warum ihr nicht in der warmen Stube sitzen bleibt.

Ihr zeigt Charakter, der Staat zeigt wieder einmal Stärke und Härte,
Und deswegen möchte ich diese Gelegenheit nutzen, und ein paar Worte an die Polizistinnen und Polizisten richten.

Liebe Beamtinnen und Beamte, die ihr hier Euren Dienst glaubt machen zu müssen: Vor Euch stehen weder Chaoten, noch Kriminelle.

Wir sind kein “unappetitliches Volk” wie ehemals Herr Kanter glaubte, uns nennen zu müssen. Inzwischen kann er über seine eigenen Schandtaten nachdenken.

Wir sind ehrbare Bürger dieses Landes: Vor Euch stehen Kinder, Jugendliche, Mütter und Väter, Hausfrauen, Bauem, Handwerker, Lehrer, Ärzte,
Anwälte, Wissenschaftler - vielleicht auch Kollegen von Ihnen.

Auch an Euch liegt es - wie wir diese kommenden Tage überstehen.

“Die Polizei - Dein Freund und Helfer” müsste auch in dieser vor uns liegenden Zeit noch gelten

Lasst Euch nicht zum Büttel der Industrie machen, auch nicht unbedingt zum Büttel der Politik: Wenn Ihr nicht mehr gebraucht werdet, wird man auch Euch - vielleicht noch mit einem bedauernden Achselzucken - in die Arbeitslosigkeit schicken.

Gebetmühlenartig wird von der Politik betont, dass Deutschland “völkerechtlich” gebunden ist, den Atommüll aus Frankreich zurückzunehmen.

Ich bin vorsichtig: Ich sage nicht, das ist eine Lüge, ich sage aber, das ist Betrug. Der Vertrag zwischen den deutschen Stromerzeugem und der französischen Cogema ist ein Vertrag zwischen Energieriesen, zwar auf hoheitlichem Papier aber von Botschaftern unterzeichnet. Diesen Vertrag könnte die Politik – auf dem Verhandlungswege – ändern.

Ich kann auch nicht einsehen, und habe es in 30 Jahren nicht gelernt – warum unser Recht auf Unversehrtheit des Lebens und der Person – niedriger einzustufen ist, als das Recht der Atommafia uns ihren Müll vor die Füßé zu kippen.

Liebe Freundinnen und Freunde, passt gut auf Euche auf in den nächsten Tagen, und

Verehrte Polizistinnen und Polizisten, vergesst nicht, Euch stehen Menschen gegenüber, die auch für Euer Leben und Eure Zukunft kämpfen.
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Marianne Fritzen

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