Für alles benötigt man in diesem durchorganisierten Staat ein Papier. Revolution nur mit Bahnsteigkarte. Plakate kleben nur mit Erlaubnis. Das kennt man schon. Und so ist er oder sie ganz brav, der gemeine Widerständler im Wendland. Pappschilder mit dem allbekannten “X” werden in den Städten aufgehängt. In der Hauptstraße, den Ausfallstraßen, auf denen bereits fast ununterbrochen Polizeifahrzeuge entlangdonnern, demnächst weiter Besatzungstruppen in den Landkreis einfallen werden. Gelbe Plakate nerven die, die sich über die Interessen der Menschen hinwegsetzen, meinen, allein ihre Uniform bestimmt, was Recht und was Unrecht ist.
So werden sie aufgehalten, die Menschen, die Pappschilder an den Laternenpfählen anbringen. “Sachbeschädigung” sei das. bitte die Personalien her! Was denn da beschädigt werde, wenn die Pappen, wie bei der gerade erst abgeschlossenen Wahl, angebracht werden? Das weiß der Herr mit der Uniform auch nicht so richtig zu erklären. Na ja, wieder eine der endlosen Diskussionen. Ist aber auch mehr als eine Provokation, direkt vor der Polizeikaserne mit Schlafplätzen für Tausende Beamte Protestplakate anzubringen! Tja, aber die Widerständler haben Genehmigungen eingeholt, von der Stadt.
Aber das scheint die Polizei nicht wirklich zu interessieren. Sie selbst, als “Hüter dieser Ordnung” führen tags- und nachstüber Sachbeschädigungen aus. Jedenfalls ist ein Teil der Papptafeln, mit Mühe und Leiter außer Reichweite normalgroßer Menschen angebracht, schon Stunden später wieder verschwunden. “Da wo ich stehe, hören Ihre Rechte auf”, erklärte kürzlich eine Polizistin dem mündigen Staatsbürger. Das, was sie stört, die Damen und Herren in grün- oder tiefdunkelblauer Einheitskleidung, kann nicht mit rechten Dingen angebracht sein. Muß weg. Gegebenenfalls mit roher Gewalt.
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