So langsam wird es hektisch, bei den Menschen aus dem BI-Büro, die mit der Organisation der Aktionen in den nächsten Tagen beschäftigt sind. Permanent klingelt das Telefon in dem kleinen Ladenraum, an der “Hauptstraße” der Kleinstadt Lüchow. Die Liste, die auf dem Schreibtisch liegt, wird immer länger. Aber viele der Stichpunkte sind auch schon durchgestrichen, erledigt. Und es gibt viel zu tun, zu besorgen in diesen Tagen. Da gibt es schon mal eine genervte Antwort für denjenigen, der gern ein paar Plakate vorbeigebracht haben will. “Hol sie Dir doch selber ab, so weit hast Du’s doch nicht!”.
Was steht noch an, neben der Ausstattung der “Esso-Wiese” in Dannenberg, wo für die CASTOR-Tage ein kleines Dorf aus Bauwagen, Zelten, mit Holzöfen zum Kochen für die Volxküche entsteht. Infrastruktur der Widerständler. Was den Charme vom Hüttendorf auf der vor 25 Jahren besetzen Bohrstelle 1004 verbreitet, ist allerdings mit “High-Tec” des neuen Jahrtausends ausgestattet. ISDN-Telefone, DSL für die Rechner, ein vollständiger Ü-Wagen für Hörfunk und Internet-Radio wird das Geschehen auch weltweit verbreiten. Es sind die Kleinigkeiten, die bedacht werden müssen, die auf der Liste noch abzuarbeiten sind. Marianne Fritzen wird auf der Kundgebung am Freitagabend, wenn der CASTOR-Zug in Valogne startet, am Verladekran in Dannenberg sprechen. Also: “Eine Leiter für Marianne”, die darf nicht vergessen werden. Und die restlichen Großplakattafeln mit der “Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür” müssen noch aufgestellt und beklebt werden. Die Feuerlöscher für die Esso-Wiese müssen abgeholt, Ladegeräte besorgt, Taschenlampen geprüft werden. Aspirin für gegen alles, und vor allem der “Gute-Geister-Tee” von Uli muß in ausreichenden Mengen vorhanden sein. Es geht hektisch zu, aber ruhig. Der Streß kommt später, während des Transports. Aber auch die Erwartung, mit den Protesten vielleicht doch ein wenig zu erreichen, zumindest Sand im Getriebe des Polizei- und Atomstaats zu sein. Noch kann nachts in Ruhe geschlafen werden. Die Widerständler verabschieden sich: “Good night - good fight!”.
November im Wendland 2006.
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