Von Hans, 23.10.2006, 13:09 Uhr

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Absurdes Theater. Aber eigentlich hätte niemand anderes erwarten sollen, als sich am sehr frühen Sonntag Nachmittag so um die Hundert CASTOR-Gegner und etwa ebensoviele Damen und Herren in Grün und tiefblauschwarz mitten im Wald zum Match trafen. Das “RolleBall”-Turnier sollte ausgetragen werden, an einem der beliebtesten und ansonsten über 360 Tage im Jahr vermutlich unbelebtesten Bahnübergänge in Niedersachsen, Grünhagen bei Tollendorf. Mitgebracht wurde vieles zum “Rollen”: aufgeblasene Treckerreifen, aufgeblasene Herren, mit modern-gegeltem Haarschnitt in Uniform, Blechtonnen als Atommüllfässer, Fußbälle und Golfbälle, aber auch StrohBälle, doch, wohl eher -Ballen, die am Übergang der Bahn die Seiten wechselten, und dabei ab und an mal liegen blieben.

Das wiederum war den Zuschauern am Waldesrande irgenwann doch zuviel. Sie wollten, oder mußten in ihre vorgegebenen Kostüme schlüpfen, die gepanzerten Arm- und Beinschützer überstreifen, greifen, eingreifen, die Rollerei beenden, genau die Rollen spielen, die von den Top-Level-Regisseuren aktuell vorgegeben wurden - “Hau weg den Scheiß” das Motto? Zuerst wurde er zerfetzt, getreten, der Strohballen, der sich übergangsweise auf der Straße quergelegt hatte. Dann aber, vielleicht die Regeln des “Rolle”Ball-Turniers erkennend, beherzt, in Team-Work, in den Graben gerollt wurde.

Wer dem diesem Bundes-Team im Wege war, sich nicht sofort wegdrängeln liess, wurde personalisiert. Auch die rotgekleideten Teamer der eigentlich nicht zur Teilnahme eingeladenen Mannschaft konnten, durften diesen unfairen Spielverderbern nicht Einhalt gebieten - “bei laufenden Maßnahmen haben wir keinen Einfluß mehr” - keine wirklich sinnvolle Vorgabe zum Managen von Konflikten.

Auch die Schiedsrichterin wurde von dem ungebetenen auswärtigen Gästen belästigt. Wer die Regeln bestimmen will, bestimmt auch den Schiedsrichter. Und wenn diese widerspricht, ist das Beleidung - Anlaß zur weiteren Personalisierung. In Einzelfällen kann aber auch auf diese verzichtet werden; hat das Team mit dem Gewaltmonopol doch seine Häuptlinge dabei, die ihre Gegner seit Jahren persönlich kennen. Die Anzeigen werden sowieso erst nach Spielende am Schreibtisch spielerisch-locker-phantasievoll geschrieben.

Geehrt wurden nicht nur die Turniersieger - beim Boßeln mit Golfbällen auf der Schiene waren von zwei Kiddies Best-Weiten von 11 Schwellen erreicht worden. Trotz Schummeln kam da kein Älterer mit -

Geehrt wurden auch die drei Herren des Morgengrauens, die ab und an mal genau sehen wollen, wie es sich im Wendland so lebt, in den Häusern, die ihnen üblicherweise versperrt bleiben. Die sie dann nur besuchen dürfen, wenn sie einen entsprechenden Befehl organisiert haben, mit welcher an den Haaren herbeigezogenen Begründung auch immer sie nach Verantwortlichen eines “Bohrlochs” in einer Straße suchen, mit 15 cm Durchmesser. Die Verantwortungslosen aber, die seit Jahren schon überdimensionale Bohrlöcher in den Gorlebener Salzstock getrieben, und dabei Milliarden Stuergelder verschwendet haben, ungeschoren lassen.

Und damit sie ihren Hunger auf Erfolg nicht wieder mit ekligen Haribos, die mühsam von einer Automatte gekratzt, stillen müssen, sollte ihnen nun ein entsprechendes Präsent überreicht werden: zwei Gummibärchen in einer Plastik-Tüte, absolut steril verpackt, wie es sich gehört, mit Pinzette, und Aids-Schutzhandschuhen - Gentestsicher.

Dochdie Herren mochten nicht zum Podium kommen - durften etwa auch sie den Bahnübergang nicht queren? So nahm denn der Chef der Lüchower Polizeitruppe persönlich das Präsent entgegen, das man ihm dann auf die andere Seite hinübergebracht hatte, mit dem persönlichen Versprechen, es auch weiterzugeben.

Enttäuschung im Gesicht eines der für die Ehrung Vorgesehenen, als er den Inhalt des Präsenttütchens aus gebührender Entfernung zu sehen bekam. Enttäuschung aus mehreren Gründen. Präsente dürfe er ja nicht entgegennehmen, das verbiete das Beamtenrecht. Und dann waren da auch nur zwei Bärchen drin, wie solle man die 3-teilen? Und eigentlich wäre für ihn doch ein Fläschchen Roter aus deutschen Landen angebrachter, Trollinger-Lehmberger aus der Gegend um Neckarwestheim, vom “Hörnle”, das wär doch was gewesen…

Irgendwann ist die Spielzeit zu Ende, das Publikum verläßt den Schauplatz. Ob die ungeladene gegnerische Mannschaft, wie vor einem Jahr beim WolleBall-Turnier, wieder aufgeräumt, Zigarrettenkippen in Plaste-tütchen gesteckt hat, ist nicht bekannt. “Müll beseitigen”, wie es deren oberster Dienstherr, der niedersächsische Innenminister damals als selbstverständliche Aufgabe seiner Truppen angesehen hat, scheint nun nicht mehr “in” zu sein. Wie auch: Hat schon mal jemand von Kopf bis Fuß Colani-durchgestylte Müllmänner-Kojaks mit Knarre und Knopf-im-Ohr in Parkanlagen Kippen sammeln gesehen? Ob einer solchen Ressourcen-Verschwendung gar im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler aufzutauchen, wäre doch zu peinlich für eine solche Schöne-Mann-Truppe…

Fotos vom RolleBall-Turnier

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