Von Hans, 16.10.2006, 15:26 Uhr

Seilhüpfen, Rallyefahren, Personalien Haschen - Sonntagvormittagsvergnügen im Wendland

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In der Vor- und CASTOR-Zeit geht es sportlich zu im Landkreis. So auch am Sonntag vor dem Verladekran in Dannenberg, wo sich etwa 30 “Graue Zellen” zu ihrer “Stuhlprobe” auf der Straße eingefunden haben. “Grau - schlau - unbequem” ist das Motto der meist grau- und weißhaarigen, aber durchaus auch mal rothaarigen Älteren der CASTOR-Gegner.

Grün und modernistisch-tiefblauschwarz uniformiert dagegen die Herren - Damen fehlten an diesem Sonntage - der Ordnungshüter. Denn Ordnung muß schließlich sein, im bundesteutschen Atomstaat. Wo sich die “Grauen Zellen” denn nun niederlassen sollen, dürfen, können, war Gegenstand einer längeren Debatte - wie immer, weitgehend ergebnislos. Menschen setzen sich, einfach so - Polizisten ziehen sich genervt zurück. Diskussionssport zur “Fünften Jahreszeit” in Lüchow-Dannenberg.

Sportliches Sitzen ist für die Alten aber nicht wirklich alles, auch Bewegung ist angesagt. Warum nicht wieder zurückdenken, an die Kindheit, so 40-50-60 Jahre, als nicht Stock und Stuhl, sondern Stock und Stein im Mittelpunkt der Aktivitäten standen. Und Hüpfen - Seilspringen. Ja, es wurde versucht, direkt vor den Videokameras am Verladekram, von Oma und Opa. Der Rekord: 15 mal ohne Kollision mit dem Seil!

Aber auch andere Sportarten waren angesagt. Rallye-Fahren beispielsweise. Von den Alten im silbergrauen Hochglanzauto, deren Graue Zellen nicht mehr so wirklich aktiv waren. Die Straße war ja besetzt, von Seilspringern, Stühlesitzern, Plakatklebern. Aber durch - immer durch. Mit wendländischer Sturheit. Wenn’s denn nicht den direkten Weg geht, dann eben über den Grünstreifen, auch wenn ein Graben unmittelbar angrenzt. So wie auch die Atomkraftgegner fast immer einen Weg um Absperrungen herum finden.

Aber da saß eine Frau, auf dem Grünen, konnte oder wollte - wer weiß das schon - nicht gleich aufstehen. Ein, zwei Minuten Diskussion, dem silbergrauen Autofahrer wurde von den Grauen Zellen dann ganz brav der Weg geebnet, zurück zum Asphalt; selbst das Absperr-Klebeband “Sofort Stillegen” kurzzeitig beiseitegenommen. Die Auto-Insassen, dann wieder freundlich, wie (fast) alle Wendländer, bedankten sich, und weiter gings. Sportlich, sportlich.

Irgendwann sind die Kalorien verbraucht, wird es kalt - man und frau übt ja noch - und das Mittagessen wartet… Die Zellen wollen gehen. Können aber nicht. Denn jetzt kommt die gegnerischen Mannschaft ins Spiel. Sie erfindet eine neue Sportart. Personalien Haschen. Die von der Seitenstreifen-Sitzerin nämlich. Die müssen unbedingt ins Notizbuch. Weil, die hat ja blockiert! Den silbergrauen Rallye-Fahrer. Das ist widrig. Ordnungswidrig. Sogar der “Nötigung” wird das Wort geredet. Vom Hascher. Also: Personalien her!

Schon beginnt das Spiel von neuem: Debatten über Debatten. Da muß der Hascher seine Macht jetzt deutlich zeigen - Menschenverstand, Freundlichkeit, Verständnis ist da nicht angesagt - hier gelten die Regeln des Rugby. Und die Masse - vier Grüne Polizeiwagen samt Mannschaft unterstützen den tiefblauschwarzen Hascher in seinem Verlangen. Her mit den Personendaten, sonst ab auf die Wache, in die Polizeikaserne nach Lüchow.

Sportler agieren auch mal taktisch. Also, denn, wenn’s dem Selbstwertgefühl des Einsatzleiters dient, darf er endlich Namen und Adresse in sein kleines Büchlein schreiben. Einen Punkt gesammelt. Abgang im Schnellgang. Rin in sein blitzblankgeputztes schwarzes Zivilfahrzeug. Und schnell noch die nächste Sportart demonstrieren, Vollgas als möchtegern-Schumi, weg, weg, bloß weg von diesen ekligen, penetranten, nicht belehrbaren Grauen Zellen…

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