Von Hans, 10.10.2006, 15:31 Uhr

Eine spannende Frage hat das “Hamburger Abendblatt” heute aufgeworfen. Gibt’s beim nächsten CASTOR-Transport “Randale”? Oder wird mal wieder ein “Ritual” zelebriert? Auf “Das zehnte Jahr im CASTOR-Kampf”, den “runden Jahrestag” scheinen sich der HA-Journalist schon zu freuen. Der “Startschuß” sein gefallen, als “bislang unbekannte Täter elf von zwölf Schrauben bei Leitstade an einem 23 Meter hohen Funkmast lösten” und damit “sechs Relaisstationen für Frequenzen von Bundes- und Landespolizei” wohl die materielle Basis entzogen. “Randale” eben, obwohl sich bislang “keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt” habe, “kaum 300 Meter entfernt von den Gleisen, auf denen der Castor kommt”.

Aber ansonsten… läuft “alles wie immer, wenn sich Polizei einerseits und Atomkraftgegner andererseits vorbereiten auf den größten regelmäßigen Polizeieinsatz in Deutschland”.

Da weckt “der Aufbaustab der Polizei … zahllose Unterkünfte im Großraum Lüneburg aus ihrem kanpp einjährigen Dornröschenschlaf, die Widerständler motten Zelte und Bauwagen aus für die Camps an der Strecke”…

Hier sei nun angemerkt: Nein, “Ehrensache” ist es nicht, wenn Menschen aus der ganzen Bundesrepublik anreisen, und ein “Ritual” würden sich die Wendländer gern schenken. Daß beim letzten Transport “aus Sicht der Polizei alles glatt gelaufen” sei, mag deren rosaroter Knüppel-Helm-Sicht entspringen, hat aber nichts mit der Realität zu tun. Mußte die Polizei doch mehrere massive Straßenblockaden von an Betonklötzen angeketteten Bauern mühsam beseitigen, und nebenbei noch zwei Leichenwagen, die die Straße blockierten, auseinanderflexen, bevor sie den Transport überhaupt auf die Staßenstrecke bringen konnte…

“Anders als in den Vorjahren gelang es den Demonstranten nicht, den Ablaufplan durcheinanderzubringen”! Aha.

“Der Widerstand bröckelt weiter ab”, hofft der Niedersächsische Verfassungsschutz nach “Abendblatt”-Bericht.

Nun ja, man wird sehen. Nach dem jähen Ende der Rot-Grünen Koalition versucht die Atomindustrie mal eben schnell der Weiterbetrieb ihrer maroden AKW anzuschieben - zusätzliche Milliardengewinne leuchten in ihren Augen. Aber die Mehrheit der Deutschen will keine Atomkraftwerke weiterbetreiben lassen, will den wirklichen Atomausstieg. Daß der Weiterbetrieb von AKW nicht durch Regierungen gestopt werden kann, ist mittlerweile offensichtlich geworden. Jetzt werden sich durchaus mehr und mehr Menschen wieder daran erinnern, daß nur der “Druck der Straße” den Regierenden Feuer unter dem Hintern machen kann. Und werden sich dann hoffentlich mit auf die Strecke setzen, sich dabei zwar einen kalten Hintern holen, aber deutlich machen, daß es um ihre, unsere Zukunft geht, und nicht um “Rituale”, wenn der zehnte CASTOR-Transport nach Gorleben behindert wird.

Übrigens: wer erinnert sich eigentlich noch daran, daß “CASTOR-Transporte” eigentlich ganz anders geplant waren? Daß ursprünglich jeweils ein einzelner Behälter, wie ein üblicher Schwertransport von nur einem Polizeifahrzeug begleitet, ohne großen Aufwand nach Gorleben geschafft werden sollte?

Das “Ritual”, daß zehntausende von Polizisten jeden November überfallartig das Wendland besetzen, um die CASTORen durchzuprügeln, muß tatsächlich ein Ende haben. Wir, und Ihr, werden dafür sorgen. Früher oder später.

Ein Ritual: Das zehnte Jahr im “Castor-Kampf”

Artikel im “Hamburger Abendblatt” v. 10. 10. 2006

“Funkmast der Polizei gefällt”

Artikel bei Indymedia vom 6. 10. 2006

Umgestürzter Polizei-Funkmast bei Leitstade / Oktober 2006

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