Von Hans, 29.09.2006, 16:55 Uhr

Da wußte es wieder jemand ganz genau. Der “gemeine Blockwart” paßt genau auf, was an der CASTOR-Transportstrecke so passiert. Ein Loch, ein Loch! So scheint jemand erkannt zu haben, auf der Straße! Soll da wohl wieder ein Stück unterspült werden? Der “mündige Bürger” muß da unbedingt was unternehmen. Also, schnell notiert, welche Nummernschilder in der Nähe parkende Autos haben. Und die Polizei alarmiert.

Die ist schnell beim Recherchieren. CASTOR-Gegner, ganz offensichtlich, haben da irgendwo geparkt! Von den im CASTOR-Landkreis zugelassenen Autos dürften sicher zwei Drittel den Atomkraftgegnern zugeordnet werden können. Aber die Nummernschild-Besitzer sind “szenebekannt”. Und nun wird der Phantasie freier Lauf gelassen. Bei der Polizei, bei der Lokalzeitung. “Sabotageakt verhindert” titelt der lokale Aufmacher der “Elbe-Jeetzel-Zeitung” vom 15. September 2006.

Ein Loch, 20 cm Durchmesser, 60 cm tief ist überhaupt nicht geeignet, um eine “Wasserlanze” unter der Straße zu platzieren. Aber das macht nichts. Man kann weiter spekulieren, phantasieren, kriminalisieren. Die zur-falschen-zeit-am-falschen-Ort-Parker werden flugs mit dem Brand von Polizeicontainern in Verbindung gebracht, bei dem vor ziemlich genau einem Jahr Unterkünfte für gut 600 Polizisten ein Raub von Flammen und Löschwasser wurden… “Ob sie verhaftet wurden, ist derzeit noch unklar”; die Polizei gibt dazu keine Auskunft, so das Lokalblatt.

Verhaftet wurde niemand. Auch nicht beim Loch-buddeln beobachtet, wie sich später herausstellt. Der Radiosender “NDR” fragt beim Polizeisprecher nach: “Ich kann nur sagen,
dass wir eine Verbindung zu anderen Straftaten nicht sehen und
herstellen können, aufgrund der Ermittlungen. Die Ermittlungen dauern
an, dadurch dass wir keine Täterhinweise haben ist es schwer und
langwierig”.

Wozu also der Bericht in der Zeitung? Und warum wurde bisher nicht richtiggestellt, dementiert, oder über den aktuellen Ermittlungsstand berichtet?

Auch darüber kann spekuliert werden. Ein “Versuchsballon” der Polizei, um die “Szene” zu verunsichern? Seit Jahren schon schaffen es Zehntausende von Ordnungshütern nicht, die phantasievollen Proteste und Blockaden an der Schiene, auf der Straße zu verhindern. Und die “Täter” des Container-Brandes sind auch nicht zu ermitteln - und daß es überhaupt einen Zusammenhang mit CASTOR-Gegnern gibt, dementiert die Polizei offiziell von Anfang an. Was man nicht selber sagen will und darf, kann man aber öffentlichkeitswirksam über die sensationslüsterne Presse vermarkten. Etwas wird schon hängenbleiben. Zumindest als Begründung für eine flächendeckendes Demonstrationsverbot per “Allgemeinverfügung” könnte sei ein Zeitungsbericht schon herhalten. Ein Schelm, wer sich zuviel dabei denkt…

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